rbb - Landschleicher

Helene Parpart, geb. Munier (1888-1965), Mutter von Christel Parpart, wurde in Berlin geboren, war Lehrerin und nach ihrer Heirat Hausfrau. 1943-51 lebte sie mit ihrem Mann im Pfarrhaus in Oehna bei Jüterbog, später im Altersheim »Bürgerstift« in Potsdam, wo sie auch verstarb. Kopien der Aufzeichnungen wurden von der Tochter Christel Kersten (geb. Parpart) zur Verfügung gestellt.

Helene Parpart
Jüterbog, Oehna
Sowj. Besatzung bis 1949

Helene und Otto Parpart (um 1952)

Hans-Georg und ich setzen noch Pflanzen und ordnen allerlei im Garten. Vater holt noch Brot und Lebensmittel heran, auch noch Rüben für das Vieh. Gegen 6 Uhr hören wir auf der Chaussee nach Jüterbog Geschrei und Jubel der Gefangenen, die sich zum Empfang dort aufgestellt hatten. Die Russen sind da, zunächst Krad-Fahrer. Erst gingen wir in den Keller. Als es aber nirgends schoß, gingen wir rauf und sahen Gruppen der Gefangenen, auch die russischen Mädchen mit den eingetroffenen Russen lebhaft sprechen und lachen. Kramers Mädchen Sascha erzählt ihnen, daß Oehna alle gut behandelt hätte und nicht feindselig sei. Auf Aufforderung werden Waffen abgeliefert, auch weiße Fahnen herausgesteckt. Familie Pulz flüchtet, er mit Rad hinterher. Wir wollen unten schlafen, legen für Vater Matratze ins Eßzimmer, und wir vier schlafen angezogen im unteren Schlafzimmer. Nachts um 3 Uhr starkes Rütteln an der Haustür, Vater öffnet, 4 Russen mit Gewehr in der Hand treten ein, verlangen Uhren. Vater wird gleich seine beiden Uhren los, da er abgetastet wird. Leider nehmen sie auch seine langen Stiefel von Hans-Peter. Mir nehmen sie die elektrische Taschenlampe aus der Hand, Vaters wird auch weggenommen. Dann verlangen sie Schnaps, gehen in die Weckkammer und probieren gleich mehrere Tomatenbreiflaschen. Ursel wird eine Armbanduhr los. Dann gehen sie ab.
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