rbb - Landschleicher

Der im Jahre 1942 auf der Krim schwerverwundete (Beinamputation) Pädagogikstudent Emil Weber (geb. 1921) war am 20.1.1945 beim Näherrücken der Front aus seinem Studienort Posen nach Dornau zurückgekehrt und erlebte dort den Einzug der Roten Armee und der sie begleitenden polnischen Streitkräfte.

Emil Weber
Schwiebus, Züllichau
Kriegsverbrechen, Lebensmittelversorgung, NS-Propaganda, Sowj. Besatzung bis 1949, Vergewaltigung, Zweiter Weltkrieg

Züllichau, um 1912

21./22.3. Es ist Frühlingsanfang. Die Sonne scheint warm und lockt das Gras und die Veilchen aus ihren Verstecken. Wenn wir nur arbeiten und das Feld bestellen dürften! So ruht alle Arbeit - eine große Hungersnot wird die Folge sein. In Kutschlau ist ein Bauer erschossen worden, weil er ohne Erlaubnis auf das Feld gefahren und dort angeblich mit einem deutschen Soldaten gesprochen hat.

"Luftpost" ist eingetroffen. Ein deutsches Flugzeug hat Flugblätter abgeworfen. Darauf lesen wir die vielversprechenden Sätze: "Das Reich denkt an Euch Tag und Nacht. Wir kommen wieder!" Alles hofft... Der Handwagenbau gerät ins Stocken, weil beide Paech-Jungen erkrankt sind.

Da die Gehöfte von Pollacks, Klenkes u. Werners leer sind, geht ein Wettrennen der Bauern nach Heu, Stroh und dergleichen los.
Drei Russen haben tagelang bei Heinrichs Quartier bezogen. Die Pferde sind an die Wagen angebunden: tagsüber liegen die Soldaten auf der Milchrampe. Ich nutze das schöne Wetter und grabe im Garten.

Als wir abends schlafen gehen wollen, geht das Hoftor auf und herein kommen ein Leutnant mit Lederjacke - dazu zwei russische Soldaten mit Fahrzeug. Einer davon, aus Krasnodar, war russischer Kriegsgefangener in Burschen; er spricht leidlich Deutsch. Während sich der Leutnant gleich auf "Panienkas" verlegt, drucksen die beiden anderen herum. Um 22 Uhr rücken sie damit heraus, daß sie Kartoffeln essen wollen. Ein "Partisan" aus Moskau besorgt das Kochen; der gutmütige Russe und ich schälen die Kartoffeln. Paech übernimmt die Feuerung. Es gibt Stampfkartoffeln und Kaffee dazu. Als wir gerade fertig sind, wird der Moskauer unsicher und durchsucht das ganze Haus nach deutschen Soldaten. Dabei entdeckt er Frau P. und Frau G., von denen er unbedingt eine haben will.

Bei kräftigem Spiritus - ein Glas muß ich bei vorgehaltener Maschinenpistole austrinken - entspinnt sich ein lebhafter Disput. Von Frau P. wollen die beiden (wegen der weinenden Kinder) Abstand nehmen, aber Frau G. soll daran glauben. Ich versichere den beiden, daß sie häßlich und krank sei - alles umsonst. Da fragt mich der Moskowiter nach meiner Frau. Als ich ihm ein Bild von ihr zeige, gehen ihm die Augen über!

Schließlich werde ich dazu verurteilt, eine deutsche Frau zu holen - in fünf Minuten - sonst "buk". Zur Demonstration wird die Pistole kräftig durchgeladen und auf mich gezielt. Ich lasse mich dadurch nicht erschüttern. Mitten in unserer erregten Auseinandersetzung kommt ein kirgisischer Major im Hemd, der in der Stube neben P.s Küche geschlafen hat, und weist den Partisan zurück. Der läßt sich jedoch nur wenig beeinflussen; stellt jedoch seine Maschinenpistole beiseite. Schließlich kann ich die Kerle auf morgen vertrösten.
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